Telekom Street Gigs "Brian Molko Interview", Nov'13


Brian Molko ist, wie man so schön sagt, ein musikalisches Multitalent. In jungen Jahren brachte er sich das Gitarre spielen selber bei und beherrscht mittlerweile eine ganze Reihe von Instrumenten.

Auch wenn er gelegentlich als DJ einheizt, ist er natürlich vor allem als Frontmann von Placebo bekannt. Am 26. November spielen die Jungs bei den Telekom Street Gigs in der Zeche Zollverein in Essen. Deshalb läuft bei uns ihr neues Album „Loud Like Love“ gerade rauf und runter.


Im Vergleich zu früheren Alben klingt das aktuelle doch etwas zuversichtlicher, vielleicht weil Placebo gar nicht vor hatten ein Album aufzunehmen: „Wir hatten gerade ein neues Label gefunden und wollten vor der Sommer-Tour lediglich ein Greatest Hits-Album veröffentlichen. Es stellte sich aber schnell heraus, dass das keine besonders gute Idee war, da keine zufriedenstellenden Ergebnisse dabei rauskamen.” Ganz umsonst war es dann aber doch nicht, denn in dieser Zeit schrieben sie dann den ersten und letzten Song des späteren Albums „Loud Like Love“, erinnert sich Brian. „Der eine ist sehr optimistisch, energetisch und fröhlich, während der andere eher melancholisch und pessimistisch ist. Die Songs dazwischen bewegen sich zwischen härteren und rockigeren bis hin zu düstereren und elektronischen Klängen.” Ein sehr abwechslungsreiches Album, mit dem Brian Molko mehr als zufrieden ist: „Wenn dies das letzte Album sein sollte, wäre es keine Enttäuschung!“


Dabei waren die Aufnahmen nicht völlig problemlos, wie Brian erzählt: „Bei jedem Album gibt es Überraschungen und „Loud Like Love“ war da keine Ausnahme. Wir haben es nicht in einem Rutsch aufgenommen, sondern verteilt über mehrere Sessions in 2012 und 2013. In der Vergangenheit sind wir immer ins Studio gegangen und haben es in einem durchgezogen. Das war dieses Mal also eher ungewöhnlich.“ Der Band kamen dann teilweise Zweifel, ob das Album jemals fertig werden würde, „weil dieses Anfangen und Aufhören den natürlichen Prozess unterbricht. Einige Songs wurden erst ganz zum Ende des Mixings geschrieben und existierten vorher gar nicht.“ Doch diese Schwierigkeiten mündeten dann in ein Happy End: „Ich persönlich hatte das Gefühl, nachdem wir zum Jahresende noch den Song „Begin The End“ komponierten, dass wir etwas Großartiges und Unerwartetes geschaffen hatten. Genau in dem Moment, dachte ich mir: kein schlechter Tag zum Sterben!! Schade, dass dieses Gefühl nur einige Minuten andauerte.“


Die erste Single aus dem Album ist der Song „Too Many Friends“. Ein klares Statement in unserer von Social Media beeinflussten Welt. Brian sieht diese Entwicklung durchaus kritisch: „Du wirst so schnell abgelenkt, wenn du einmal angefangen hast, durch das Internet zu surfen und ich bin oft in der Situation, dass ich aufhören muss und mich selbst frage, ob meine Zeit dafür nicht zu schade ist.“ Ganz auf die neuen Medien verzichtet er dann aber doch nicht. „Ich benutze die Technik, um mit den Menschen zu kommunizieren, die mir wichtig sind, aber ich nutze keine Sozialen Netzwerke. Meine Band benutzt es, um mit unseren Fans und Followern in Kontakt zu bleiben, aber persönlich reichen mir Telefongespräche und Emails.“


Dabei kam unter anderem raus, dass Brian die Nervosität am Anfang der Karriere schnell mal auf den Magen schlug: „In der ersten Zeit musste ich mich oft übergeben, bevor das Konzert anfing. Zum Glück habe ich meine Nerven mittlerweile etwas besser unter Kontrolle, so dass das nicht mehr passiert.“ Aufgeregt ist er aber immer noch vor jedem Auftritt, was wohl auch daran liegt, dass die Songs von Placebo sehr persönlich sind.


Darauf, die neuen Songs von „Loud Like Love“ endlich live in Deutschland spielen zu können, freut sich Brian besonders: „Wir haben 1996 in Deutschland in sehr kleinen Clubs angefangen und teilweise vor nicht mehr als 15 Leuten gespielt. Über die Jahre wurde das Publikum zum Glück etwas größer!!“ Darüber freut sich Brian natürlich sehr: „Ich bin einfach sehr dankbar, dass die Leute immer noch zu uns halten und zu unseren Konzerten kommen.“


Und die Fans kommen natürlich besonders gerne, wenn das Konzert an einem außergewöhnlichen Ort stattfindet. „Wir haben vor ein paar Jahren als eine der ersten Bands überhaupt vor dem Angkor Wat Tempel in Kambodscha gespielt. Das war eine sehr besondere Nacht.“ Am 26. November spielen Placebo dann im UNESCO-Weltkulturerbe Zeche Zollverein in Essen. Das ehemalige Steinkohlebergwerk ist natürlich ein ganz anderer Ort, aber Brian hofft auf ein vergleichbares, umwerfendes Erlebnis.


Der verrückteste Ort, an dem Placebo jemals ein Konzert gespielt haben, war auf dem Gipfel einer italienischen Skipiste. Gute Erinnerungen daran hat Brian allerdings nicht: „Das war ein totales Desaster. Es war sehr stürmisch, wodurch es fast unmöglich war, dorthin zu kommen. Es regnete auf der Bühne und die Temperaturen waren unter null Grad.“ Dadurch waren dann sogar die Gesundheit und das Leben der Band, ihres Teams und der Fans bedroht. „Unser Tontechniker brach sich fast ein Bein und die wenigen Zuschauer, die es dorthin geschafft hatten, froren bitterlich und waren völlig durchnässt. Wir dachten, wir bekommen Stromschläge, weil wir in Pfützen standen und fast ausrutschten. Als wir dann wieder dort weg wollten, wäre der Bus fast noch von der Straße abgekommen.“ Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert und Brian kann jetzt mit einem Lächeln zurückblicken.


Als Musiker ist man ständig unterwegs und es kann sehr schwierig sein währenddessen mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben. Brian Molko nutzt alle mobilen Geräte, die man gerade so haben kann, um mit seinen Liebsten zu kommunizieren: „Laptop, Tablet und Smartphone sind immer in meiner Nähe.“ Er hat auch eine Lieblings-App, die ihm auf den vielen Touren das Leben sehr erleichtert: „Ich bin total schlecht darin, Postkarten zu verschicken, wenn ich unterwegs bin. Manchmal kann man auch ganz einfach keine finden, also nutze ich Touchnote.“ Mit der App kann man Fotos vom Smartphone als echte Postkarte mit persönlichem Text in die ganze Welt verschicken.


Unterwegs läuft bei Brian natürlich auch ständig der MP3-Player. Momentan vor allem sein aktuelles Lieblingsalbum „Antiphone“ von Midlake. „Ich finde, sie sind mit einem tollen neuen Album zurückgekommen. Ein großartig grooviger und interessanter Sound. Je öfter ich es höre, umso besser gefällt es mir.“ Während andere schnell abschalten, wenn ihnen das Album nicht auf Anhieb gefällt, geht es Brian da ganz anders: „Ich mag es, wenn man ein Album öfter hören muss, um die volle Blüte zu erkennen. Ich mag auch den Gedanken, dass es bei „Loud Like Love“ genauso ist.“