N24 "Liebe ist ein Orgasmus", Sep'13

13.09.2013

Seit heute steht das neue Album "Loud Like Love" von Placebo in den deutschen Plattenläden. Mit zehn Songs über Liebe, Melancholie und einer Mini-Portion Gesellschaftskritik erobern Brian Molko, Steve Forrest und Stefan Olsdal die Herzen ihrer Fans zurück. Schlagzeuger Steve Forrest hat mit spot on news vorab gesprochen und erklärt, wie laut Liebe wirklich ist.

Am 23. August haben sich Placebo mit der Single "Too Many Friends" aus ihrer vierjährigen Pause zurückgemeldet. Nun ist endlich auch das neue Album "Loud Like Love" erhältlich. Ab dem 15. November kommt die Band für sechs Konzerte nach Deutschland. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news hat Schlagzeuger Steve Forrest erzählt, wofür er sein Gehalt verpulvert und warum Liebe überhaupt laut ist.


Welcher Song Ihrer neuen Platte war für Sie am schwersten aufzunehmen?

Steve Forrest: "Million Little Peaces" war für mich schwierig. Das lag hauptsächlich an den ganzen elektronischen Elementen, die wir in diesem Song benutzt haben. Loops und all diese technischen Tricks waren für mich eine echte Herausforderung. Ich würde fast sagen, es war eine schmerzhafte Erfahrung! Aber im Nachhinein ist es ein cooles Ergebnis, von daher hat es sich voll und ganz gelohnt.

Beherrschen Sie nun die elektronischen Geräte im Tonstudio?

Forrest: Sagen wir es so, es fällt mir jetzt einfacher als vorher. Vor allem auch, es zuzulassen, dass wir solche Elemente benutzen. Ich habe es abgelegt, voreingenommen zu sein und zu sagen ,Nein unsere Musik machen wir nur mit Hammer und Nägeln'. Es ist nach wie vor merkwürdig, Musik mit einem verdammten iPad zu machen, aber ich kann mich damit jetzt arrangieren. Es gibt keine Regeln, wie man Musik machen sollte, und es sollte auch keine geben.

Der Song "Begin The End" ist sehr emotional und persönlich. Fällt es Ihnen leicht, solche Lieder zu machen, wenn doch dann jeder Hörer tief in Ihre Gefühlswelt eintauchen kann?

Forrest: Wenn man in der Musik nicht emotional und offen sein kann, wo dann? Durch solche Songs kann man alles raus lassen. Man kann ja nicht über die Straße gehen und rumschreien, wie glücklich, verliebt oder schlecht drauf man gerade ist. Durch die Musik kann man das tun, ohne für verrückt erklärt zu werden. Mit "Begin The End" sind wir richtig glücklich. Es ist toll, in diesem Song so viel Ehrlichkeit rüberbringen zu können.

Sie selbst bezeichnen dieses Album als eines Ihrer ehrlichsten - warum?

Forrest: Brian hat wirklich einen guten Job gemacht und tief gegraben. Die Lyrics von "Loud Like Love" drücken genau das aus, was in seinem und unseren Köpfen vorging. Brian hat sich auch wirklich sehr viel Zeit genommen und lange über die Texte nachgedacht. Zur Entstehungszeit des Albums hatten wir drei auch eine sehr enge Bindung zu einander, das war schon etwas Besonderes. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht und intensive Momente erlebt.

Finden Sie wirklich, dass Liebe so laut ist?

Forrest: "Loud Like Love" war der erste Song, den wir für das Album geschrieben hatten, und wir lieben ihn. Liebe kann etwas wunderschönes, aber auch etwas furchtbar trauriges sein; es gibt so viele Dinge, die Liebe sind. Liebe ist ein Orgasmus oder auch ein schreiendes Baby. Es ist wohl das stärkste Gefühl und dadurch eben laut.

Ein Song heißt "Rob The Bank". Mit wem würden Sie eine Bank ausrauben - und warum?

Forrest: Tom Waits. Ich liebe seine Platte "Rain Dogs". Die habe ich auf Vinyl und höre sie ständig. Ich stecke mein ganzes Gehalt in Schallplatten - und den Zahnarzt. Ich bräuchte eigentlich ein ganzes Haus nur für meine Platten, ich habe so unfassbar viele.

Sie stecken ihr Geld in den Zahnarzt?

Forrest: Klar, das sind die beiden besten Investitionen. Kümmere dich um deine Zähne und um die Musik.

Sie reisen gerade viel um die Welt. Ist das stressig?

Forrest: Es ist nicht stressig, es ist ermüdend. Aber es ist okay, es macht ja Spaß. Solange ich Kaffee dabei habe. Sehr, sehr viel Kaffee.

Ab Oktober touren Sie auch durch die USA. Dort sind Sie im Vergleich zu Europa nicht so bekannt sind. Freuen Sie sich schon darauf, jetzt in den Staaten loszulegen?

Forrest: Klar wäre es toll, auch in den Staaten richtig berühmt zu werden. Für mich ist das eine große Sache, schließlich komme ich aus Kalifornien. Wir sind nicht oft genug dort. In der Vergangenheit waren die Staaten irgendwie nicht so stark auf unserem Schirm, aber mit "Loud Like Love" wollen wir jetzt auch dort richtig groß werden. Irgendwie ist es doch auch dumm: Man kennt uns auf der ganzen Welt und dann ausgerechnet in den Staaten nicht? Das macht keinen Sinn.

Aber ist es nicht gerade - weil Sie sonst überall bekannt sind - auch schön, einen Ort zu haben, an dem man vielleicht nicht erkannt wird?

Forrest: Für mich nicht. Alle anderen haben immer eine Show daheim, das will ich auch mal haben. Außerdem sind die USA doch ein guter Markt für uns. Ein bisschen kennt man uns dort immerhin schon, nur im Vergleich zu anderen Ländern sind wir dort nur eine kleine Band. Ich will dort nicht megaberühmt werden, aber ich will dort touren.

Sie sind erst seit dem Vorgängeralbum "Battle For The Sun" bei Placebo. Was war bisher das Verrückteste, was Ihnen seither passiert ist?

Forrest: Es war alles so verrückt, da fällt es mir schwer eine Sache explizit auszumachen. Einmal haben wir uns aus dem Tourbus ausgeschlossen und kamen nicht mehr rein. In Kombination mit einer Horde Fans natürlich eine extrem lustige Angelegenheit. Für mich ist allein schon die Tatsache verrückt, dass ich bei Placebo Schlagzeug spiele und wir Erfolg haben. Bei einer Preisverleihung saßen wir mal direkt neben Green Day und ich dachte nur ,Wie unrealistisch ist dein Leben eigentlich?'. In solchen Momenten versucht man zu realisieren, dass man dazu gehört. Aber das kann ich selbst nicht glauben. Es ist zu cool.

Vor Placebo hatten Sie noch eine andere Band. Gibt es die noch?

Forrest: Mit Planes mache ich auch noch Musik. Immer wenn wir bei Placebo Pausen oder kleinere Unterbrechungen haben, arbeite ich an Musik für Planes oder habe Auftritte mit ihnen. Mittlerweile mache ich sogar auch Solosachen. Ich spiele dann in kleineren Pubs oder mache meine eigene Radioshow. Ich habe immer was zu tun.

Da sind sie doch 24 Stunden am Tag beschäftigt.

Forrest: Stimmt. Ich liebe es zu chillen, aber ich chille eben auch beim Musik machen. Ich nehme sie im Studio, aber auch zuhause auf. Ich lebe in einer sehr ruhigen Nachbarschaft in London und irgendwie in meiner eigenen Welt. Musik ist meine Droge. Ich bin wirklich nerdig, was Musik anbelangt.

Wenn Sie nur Musik machen, kriegen Sie damit auch die Frauen rum?

Forrest: Soll das ein Witz sein? Ich habe nie anders ein Mädchen dazu gebracht, sich für mich zu interessieren. Ohne meine Musik wäre ich aufgeschmissen.