MTV "Sumo Ringen. Damit verbringe ich meine freie Zeit", Sep'13

14 September 2013

DIE LIEBE HAT SIE WIEDER UND WARUM DIES IM ZUGE VON "LOUD LIKE LOVE" SO IST, ERKLÄREN PLACEBO IM MTV INTERVIEW.

Bereits beim letzten Album Battle Of The Sun wehte ein neuer Wind durch die Gemäuer in denen Placebo sich seit zwei Jahrzehnten bewegen - zum handelsüblichen Nihilismus, der ihr Werk seit Mitte der Neunziger Jahre stets begleitete, gesellte sich so etwas wie Zuversicht und leichter Optimismus. Nun wird der Versuch über das Glück zur Chefsache und Frontmann Brian Molko betont im MTV Interview, dass ihr neues Releases Loud Like Love weder Kompromisse eingehen, noch den Dienst nach Vorschrift leisten will: Die Gitarren türmen sich auf, die Texte feiern die Liebe als das, was sie in den schönsten Momenten sein kann und zusammengenommen ist das Ergebnis ihr wohl stärkstes Release seit Black Market Music aus dem Jahre 2000. Ein Gespräch über das Leben neben der Musik, schlechte Tagesformen und warum am Ende meist doch alles gut wird.


mtv.de: Allen voran sind wir sehr froh, dass ihr hier zu dritt sitzt und die Auflösungsgerüchte aus dem letzten Jahr scheinbar nicht stimmen.

Brian Molko: (leicht genervt) Es ist nicht das erste Mal heute, dass wir auf dieses eine Interview angesprochen werden. Das war ein schwacher Moment meinerseits, in dem mich die Journalistin erwischte und ich sinnierte wahrscheinlich ein wenig zu viel über die Zukunft, so dass diese Gerüchte überhaupt erst aufkamen. (kurze Pause) Ein schlechter Tag, mehr nicht, wirklich.

mtv.de: Mit was vertreiben sich denn Placebo so die Zeit, wenn gerade mal keine Tour oder Albumaufnahmen anstehen?

Brian Molko: Sumo Ringen, das hat es mir zuletzt wirklich angetan. Ich weiß auch nicht warum, aber diese massigen Typen kämpfen zu sehen, hat schon eine gewisse Faszination auf mich. (alle lachen)

Stefan Olsdal: Ich koche ganz gerne.

Steve Forrest: Bei mir bestimmt viel das Internet meine freie Zeit.

mtv.de: Erstaunlich, wo ihr doch Social-Media-mäßig eher skeptisch eingestellt seid. Las man zumindest letztens in einem Interview.

Brian Molko: Da ging es mir mehr darum, dass man als Künstler schnell den Verstand verliert, wenn man sich zu intensiv damit auseinandersetzt. Wir posten ja sehr oft selbst und suchen auch den Kontakt zu den Fans - das aber zu übertreiben und plötzlich jedes Mittagsgericht durch die Welt zu twittern, finde ich ziemlich strange. Twit heißt übersetzt auch Idiot, oder? (erneut lachen alle)

Steve Forrest: Ich gucke da aber schon auf die Kommentare von Zeit zu Zeit, ist ja Feedback und wenn das ordentlich rübergebracht wird, ohne Beleidigungen oder ähnliches, dann interessiert es mich sehr, was die Facebook-Fans zum Beispiel denken.

mtv.de: Stimmt es derweil, dass ihr beide, Brian und Stefan, anfangt Französisch zu sprechen, wenn ihr wollt, dass Steve nichts mitbekommt?

Steve Forrest: Wo steht das denn? (schaut überrascht)

Brian Molko: Haben wir noch nie gemacht, keine Ahnung, wo ihr das herhabt. Warum sollten wir Steve ausschließen - am Ende muss er die Songs doch eh auf der Bühne performen und da vorher ein Geheimnis draus zu machen, würde die ganze Stimmung innerhalb der Band ruinieren.

mtv.de: Äußerst gut gelaunt zeigt ihr euch auf dem neuen Album 'Loud Like Love', über das wir abschließend auch mal kurz sprechen sollten.

Brian Molko: Wir sind keinerlei Kompromisse eingegangen, haben uns nicht mit dem Mittelmaß zufrieden gegeben und klar, dass sagt jeder Künstler, der ein Album fertig hat. (denkt nach) Mit 'Loud Like Love' orientierten wir uns stark an Radiohead - nicht musikalisch, sondern von der Einstellung her: Keinesfalls verfrüht etwas zu einem Ende zu bringen, sondern lieber noch einmal die Schrauben anlegen und den jeweiligen Song in die Richtung drehen, in der man ihn gerne hätte.