Hamburger Morgenpost "Placebo geht mit neuer Platte auf Tour", Sep'13

Von Steffen Rüth
09.09.2013


Auch auf ihrer siebten Platte „Loud Like Love“ bleiben die Briten von Placebo ihrem traurig-schönen Poprock treu – und liefern den Soundtrack für trübe Herbsttage. MOPO.de sprach mit Sänger Brian Molko (40).


MOPO.de: Herr Molko, wie oft googeln Sie sich selbst?

Brian Molko: Ein bis zwei Mal.

...am Tag?

(lacht) im Jahr.

Entstand die Zeile „My Computer Thinks I’m Gay“ aus der Single „Too Many Friends“ wegen eines Google-Suchvorschlags?

Sie meinen „Brian Molko…schwul“? Nein, es war anders. Internetseiten zeigten bei mir plötzlich Werbebanner an, die sich unmittelbar und ausschließlich an schwule Männer richteten. Ich setzte mich dann hin und dachte intensiv über das ganze Thema nach.

Kann man sagen, dass Ihnen die Arbeit an „Loud Like Love“ leicht fiel?

Nein, es war schwierig. Aus verschiedenen Gründen hatten wir die Arbeit unterteilt. Zusammen mit unserem Produzenten hatten wir die Latte für die zweite Hälfte der Aufnahmen verdammt hoch gelegt, was uns unter Druck setzte. Noch mal möchte ich so nicht arbeiten.

Aber es muss Spaß gemacht haben, als Sohn eines Bankers den Song „Rob The Bank“ zu schreiben.

Dieser Song hat mir eine große Portion fiesen Vergnügens bereitet (lacht). Dabei geht es gar nicht um die Finanzkrise und Schuld der Banken. Auch wenn ich stolz darauf bin, „Liechtenstein“ fast richtig auszusprechen.

Sie singen „Licktenstein“.

Ja, wie gesagt, fast richtig. Das Lied handelt von Besessenheit und Eifersucht. In dem Song sage ich „Mir egal, was du machst. Du kannst klauen und Behinderte beleidigen, aber solange du abends heimkommst, verzeihe ich dir alles.“

Auch „Exit Wounds“ handelt von abgründiger Liebe.
 
Die Leute sehen den Albumtitel „Loud Like Love“ und denken „Aha, alles klar, Liebeslieder.“ Liebe kann sehr gewalttätig, brutal und irre sein. Die neuen Songs beinhalten mehr Drama als Optimismus.

Sie waren früher depressiv. Sind Sie heute mit sich im Reinen?

Ich würde gerne meinen Frieden finden, doch dazu brauche ich mehr als nur kreative Arbeit. Vielleicht einmal Beziehungen mit Menschen ohne Probleme.