EMP "Rockstars mit Bodenhaftung", Jul'13

19.07.2013
von Jürgen Tschamler


Bandleader Brian Molko ist eher der introvertierte Typ Musiker und den Status Rockstars für seine Band Placebo hört er nicht gerne. Dass sich die Sichtweise auf Placebo ändern wird ist ausgeschlossen, ihr siebtes Album mit dem Titel "Loud like love" wird deren Status noch weiter ausbauen. Nach zwei Jahren Wartezeit seit "Battle for the sun" darf die Fangemeinde sich auf ein ganz großes Album freuen, auf dem sich Molko textlich sehr offen und zeitgemäß äußert. 

Brian, lässt du dich beim Song "Too many friends" über Facebook aus? Was hat dich dazu bewogen?

Ja, so ist es. Ich habe mich gefragt, ob Facebook Menschen zusammenbringt oder eine Art soziale Aliennation kreiert. Beeinflusst dieses Medium unsere Fähigkeit in der realen Welt miteinander zu kommunizieren oder was bedeutet es im Cyperspace tausende von Freunden zu haben? Worin besteht der Sinn, sich über Smartphones zu unterhalten, wenn du dich real mit deinen Freunden unterhalten könntest? Es geht letztendlich darum, dass einige wenige Leute in der heutigen Gesellschaft durch diese Kommunikationsart verdammt reich werden und viele Leute scheinen das nicht ganz zu verstehen.

Viele Fans wollen durch die digitalen Medien konstant mit ihren Stars in Kontakt sein. Hat sich dadurch dein Leben verändert?

Ich benutze keine sozialen Netzwerke! Und ich will auch gar nicht wissen welche Persönlichkeit wo und was zum Dinner isst! Und ich will auch nicht wissen, welche Person sich wann betrinkt. Was bringt mir das? Das ist meine Meinung, aber viele sind sicher anderer Meinung.

Was denkst du in diesem Zusammenhang über die aktuelle Affäre Snowden, NSA etc.?

Es ist sehr naiv zu glauben, Superstaaten wie die USA würden nicht die technischen Möglichkeiten nutzen, um die Menschen auszuspionieren. Snowden hat der Welt gezeigt, wie real die absolute Überwachung wirklich ist. Man wird diese Entwicklung nicht aufhalten können, aber vielleicht kann man diese Entwicklung unter ethischen Gesichtspunkten beeinflussen." 

Ist es für Brian Molko noch etwas Spannendes, Aufregendes, ein neues Album aufzunehmen oder ist es einfach nur ein Job, der gemacht werden muss?

Die grundlegende Idee ist, immer etwas Neues zu kreieren. Das Spannende ist ja eigentlich das Spontane, Unvorhersehbare während der Aufnahmen und wie sich das auf das Endresultat auswirkt. Ich bin während der Aufnahmen ganz offen und lasse mich gerne auf eine Art Reise ins Ungewisse mitnehmen.

Brian Molko wird als Rockstar angesehen und so behandelt. Wie gehst du damit um?

Hm, ich bin nicht der Typ, der mit der Kaffeetasse morgens vorm Spiegel steht und ,Guten Morgen Mr. Rockstar' zu sich sagt. Ehrlich, ich fühle mich sehr unbehaglich, wenn mich andere Menschen als Rockstar behandeln. Ich sehe mich nicht so und ich bin nicht so. Ich lebe nicht solch ein Rockstarleben und ich nehme mich persönlich nicht so wichtig. Ich bin dann ein Rockstar, wenn ich auf die Bühne gehe und dort für ein Publikum spiele. Dann bin ich vielleicht stolz darauf, solch ein Talent zu besitzen und meine Leidenschaft so ausleben zu können. Ich muss mich im richtigen Leben nicht im Mittelpunkt sehen, das bin ich auf der Bühne und das genügt mir.

Stichpunkt Bühne: Placebo rocken die großen Arenen der Republik im kommenden November. Was können wir erwarten?

Es wird sehr laut, haha. Wir haben tolle neue Songs zu präsentieren und das wird spannend. Ich bin nicht der Typ Musiker der eine riesige Show und Feuerwerk braucht. Wenn Bands zu viel Feuerwerk auf der Bühne brauchen, wollen sie nur von anderen Mängeln ablenken! Die Power deiner Songs sollte die Fans überzeugen und nicht das Feuerwerk!

Das musst du mal Gene Simmons sagen!

Ich werde es ihm vielleicht sagen, wenn ich ihn einmal treffen sollte. Bisher traf ich ihn nicht.